Opfer von Straftaten und Opfer des bewaffneten Konflikts, sowie Frauen von Gefangenen bekommen einen Kredit, um sich damit selbstständig zu machen.
Das Mikrofinanzprojekt „Fondo Rotatorio“ ist damit Modell für soziale und finanzielle Inklusion, das auf 20 Jahre Erfahrung zurückblicken kann. Es fungiert als umfassender Mechanismus zur Unterstützung von Bevölkerungsgruppen in gefährdeten Situationen. Derzeit umfasst das Projekt 185 aktive Kleinstunternehmerinnen und erstreckt sich auf die Regionen Magdalena, Atlántico, Córdoba und Cauca, wo Freiwillige den Prozess unterstützen, das Programm bekannt machen und so eine Steigerung der Anzahl der beantragten und gewährten Kredite erreichen.
In einem Land wie Kolumbien, das von jahrzehntelangem bewaffnetem Konflikt und tiefgreifenden strukturellen Ungleichheiten geprägt ist, ist der Zugang zu einer angemessenen wirtschaftlichen Chance für viele der schmale Grat zwischen dem Aufbau ihres Lebensprojekts und der Rückfälligkeit in die Kriminalität oder dem Überleben in der Informalität. Für eine Frau, die früher einmal im Gefängnis war, oder die als alleinerziehende Mutter allein für den Unterhalt ihrer Familie sorgen muss (weil ihr Partner im Gefängnis ist), ist das traditionelle Finanzsystem keine Option: Es ist eine verschlossene Tür. Fehlende Bonität und fehlende Sicherheiten machen sie in den Augen der formellen Banken zu „Hochrisikopersonen”.
Das Mikrofinanzprojekt „Fondo Rotatorio“ findet auf diesen Ausschluss eine wunderbare Antwort, indem es über einen gemeinsamen Fonds nötiges Startkapital für unternehmerische Selbstständigkeit zur Verfügung stellt. Es wurde genau zu diesem Zweck ins Leben gerufen, um die Türen zu öffnen, die andere verschließen. Es handelt sich nicht nur um einen Mikrokreditmechanismus, sondern um ein restauratives Modell, das an zweite Chancen glaubt .
Das Programm umfasst die Komponenten:
•Zugang zu solidarischen Mikrokrediten, die an die tatsächlichen Bedingungen der Begünstigten angepasst sind.
•Unternehmensbegleitung, die auf die Ausbildung der administrativen, finanziellen und kommerziellen Fähigkeiten ausgerichtet ist.
•Psychosoziale und spirituelle Begleitung, die den Wiederaufbau des Lebensprojekts und die Stärkung von Netzwerken unterstützt.
•Partnerschaften und Nachhaltigkeit des Fonds: Das Programm erweitert seine Wirkung und sichert sein Kapital durch strategische Partnerschaften und ein effizientes Portfoliomanagement.
Dieser ganzheitliche Ansatz ermöglicht es nicht nur, Produktionseinheiten zu stärken, sondern auch Prozesse der Versöhnung, Verantwortung und persönlichen Transformation zu fördern.
Das Programm hat folgende Ziele:
•Stärkung und Nachhaltigkeit von Familienunternehmen.
•Schaffung legaler und stabiler Einkommensquellen.
•Verringerung des Risikos von (Rückfällen in die) Kriminalität.
•Wiederaufbau familiärer und gemeinschaftlicher Netzwerke.
•Junge Menschen, die einen Lebenssinn entdecken und zu Akteuren des Wandels in ihrem Umfeld werden.
•Benachteiligte Menschen erhalten echte Chancen, ihr Leben aufzubauen.
Soziale Investitionen und Unternehmensentwicklung
Das Mikrofinanzprogramm hat sich als wirkungsvolle Strategie für soziale Investitionen etabliert. Es zielt darauf ab, die Finanzierungslücke in traditionell benachteiligten Bereichen (Menschen mit geringem Einkommen, Unternehmerinnen und Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen) zu schließen. Sein Ziel ist es, eine wettbewerbsfähige Alternative zu informellen Kreditgebern und den hohen Zinsen traditioneller Banken zu bieten und flexible Konditionen zu schaffen, die das lokale und nationale Unternehmensgefüge stärken.
Zur Webseite (spanisch): Fondo Rotatorio - Confraternidad Carcelaria de Colombia
JACKELINE DEL RÍO GARCÍA
Jackeline ist eine 48-jährige Frau, die in der Stadt Medellín im Stadtteil La Cruz lebt. Mit viel Mühe und Entschlossenheit hat sie es geschafft, trotz ihrer schwersten Erfahrung, dem Verlust ihrer Freiheit, ihr Leben zu ändern, um nicht wieder in diese Situation zu geraten. Während sie im Gefängnis war, beschloss sie, ein besserer Mensch zu werden und nicht wieder die gleichen Fehler zu begehen.
Als Jackeline noch ein kleines Kind war, verlor sie ihre Mutter auf gewaltsame Weise in einem anderen Land, sodass sie praktisch allein aufwuchs.
Der Name von Jackelines Unternehmen ist eine Hommage an ihre Mutter und an ihre Vorliebe für Schönheit und Pflege, die sie seit ihrer Kindheit hat. Das Mikrofinanzprojekt hat es ihr ermöglicht, ihren Traum von einem eigenen Schönheitssalon zu verwirklichen, in dem sie Dienstleistungen wie Kosmetik, Haarschnitte, Föhnen, Haarbehandlungen, uvm. anbietet. Eines ihrer Ziele ist es, einen eigenen Laden an einem anderen Standort als dem derzeitigen zu haben, um so Kunden zu gewinnen und mehr Einnahmen zu erzielen, damit sie keine Hausbesuche mehr machen muss.
JULIA ROSA CASTAÑO VELÁSQUEZ
Julia Rosa war Opfer häuslicher Gewalt, ihr Angreifer war ihr Ex-Ehemann, der Vater ihres einzigen Sohnes. Sie beschloss, dem Kreislauf der Misshandlung zu entkommen, und verließ ihr Zuhause ohne Eigentum. Sie musste bei Null anfangen, für sich und ihren Sohn arbeiten, und konnte nicht auf die Hilfe ihrer Familie zählen. Deshalb beschloss sie, das Schneiderhandwerk zu erlernen und von zu Hause aus zu arbeiten. Sie war gezwungen, Stellen in Unternehmen aufzugeben, weil sie niemanden hatte, der sich um ihren Sohn kümmern konnte. Sie arbeitete 14 Jahre lang in einem Fast-Food-Geschäft, konnte dieses jedoch nicht ausbauen, musste es schließen und sich fortan ganz der Pflege ihrer Mutter widmen. Dafür erhielt sie eine Vergütung von ihren Geschwistern, verkaufte per Katalog und fertigte bis zum Tod ihrer Mutter Kleider an. Seitdem widmet sie sich dem Verkauf von Herren-, Damen-, Jungen- und Mädchenbekleidung sowie Schuhen; dem Verkauf von Speisen auf Bestellung wie Hamburger, Fleischspieße, Patacones, Lasagne und andere Gerichte, und zum Jahresende stellt sie Puppen und Weihnachtsschmuck her und führt weiterhin Schneiderarbeiten aus.
Sie sagt, sie sei stolz auf sich selbst, denn sie habe den Kreislauf der Gewalt, in dem sie lebte, durchbrechen und einen Neuanfang wagen können, um für sich und ihren Sohn zu arbeiten.
Julia Rosa berichtet, dass sie durch die Tochter einer Freundin, die ebenfalls Begünstigte des Programms ist, zum „Fondo Rotatorio“ gekommen ist. Sie fühlt sich hier unterstützt. Man hat ihr vertraut und sie begleitet, damit sie ihr Geschäft erweitern und lernen konnte, es bestmöglich zu führen.
