Verdopplungsaktion Weihnachten 2025
Die kalten Stahltüren schlugen mit einem scharfen Knall hinter dem 19-jährigen Tobias Merckle zu. Er stand in den düsteren Fluren eines amerikanischen Gefängnisses im Deep South. Mehrere Stunden war er gefahren, um einen Freund zu besuchen, den er aus einem Freiwilligenprogramm kannte und dessen Sucht ihn zurück hinter Gitter gebracht hatte. Der Besuch dauerte nur eine Stunde. Die Wirkung hält bis heute an.
Auf der Rückfahrt konnte Tobias das Gesehene nicht abschütteln. Menschen ohne Hoffnung auf Erlösung. Abends in seinem Zimmer schlug er die Bibel auf, suchte nach Klarheit. „Ich las meine Bibel und es wurde mir deutlich: Das ist meine Berufung“, sagt er. „Das traditionelle Gefängnissystem ist keine Lösung.“ Also machte er sich daran, etwas Besseres zu schaffen.
Tobias ist Erbe eines der größten deutschen Konzerne. Er hätte im Familienunternehmen arbeiten können. Doch er entschied sich anders. Nach Jahren intensiver Vorbereitung mit Prison Fellowship International schaffte er das scheinbar Unmögliche: Er überzeugte Baden-Württemberg, junge Straftäter in einer nicht-staatlichen Einrichtung ihre Strafe verbüßen zu lassen.
2003 gründete er das Seehaus in Leonberg, Deutschlands erste alternative Haftanstalt. Junge Männer leben dort in familienähnlichen Strukturen auf einem feinen Campus. Ein strukturiertes Leben, das viele nie kannten. Die Tage beginnen vor der Morgendämmerung mit Sport, dann folgen Einzelgespräche, Bibelstudium und handwerkliche Ausbildung.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert: 98 Prozent der Absolventen finden Arbeit, nur 25 Prozent werden rückfällig – im Vergleich mit fast 45 Prozent aus herkömmlichen Einrichtungen eine bemerkenswerte Zahl. Über 250 junge Männer haben bereits das Programm durchlaufen. 2013 kam ein zweiter Standort in Leipzig hinzu.
Doch sein Engagement endet nicht bei Strafgefangenen. Während der Flüchtlingskrise 2015 bemerkte Tobias, wie Integrationsbemühungen scheiterten. Geflüchtete lebten in umgebauten Schiffscontainern auf Industriegeländen, isoliert von der deutschen Gesellschaft. Die Antwort: die Hoffnungshäuser. Wohnhäuser, in denen Deutsche und Geflüchtete Tür an Tür leben. Keine Container, sondern echte Nachbarschaft. Heute gibt es 32 solcher Häuser in zehn Städten. Im ersten Hoffnungshaus in Leonberg sank die Arbeitslosigkeit unter den Geflüchteten von 80 auf 11 Prozent.
Aus diesen jahrzehntelangen Erfahrungen entstand eine neue Vision. „In Deutschland sprechen wir nicht viel über Philanthropie“, sagt Tobias. „Aber da ist ein Problem: Wenn man nicht darüber spricht, wird niemand inspiriert.“
2021 gründete er Sinngeber, das philanthropische Family Office. „Es gibt so viele Hürden beim Geben“, sagt er. „Fehlende Kompetenzen, Zeit, Infrastruktur, rechtliche Barrieren. Unsere Mission ist es, anderen zu dienen, indem wir diese Hürden wegnehmen.“ Sinngeber ist eine Bewegung, die Philanthropie in Deutschland neu denken will. Ohne Berührungsängste, ohne komplizierte Stiftungsgründungen, ohne Bürokratie. Einfach geben können. Und dabei Teil einer Gemeinschaft werden.
„Wenn mir etwas anvertraut wird, muss ich ein guter Verwalter sein“, sagt Tobias. Dieser Gedanke durchzieht alles, was er tut. Eigentum verpflichtet – ein Gedanke, der tief im deutschen Grundgesetz verankert ist. Und so setzt er sein Erbe gezielt ein: nicht für persönlichen Luxus, sondern für Menschen, die Hoffnung brauchen. Heute lebt Tobias in einem bescheidenen Zwei-Zimmer-Apartment über der Schreinerei im Seehaus. „Ich kann nicht woanders leben“, sagt er. „Ich muss mit gutem Beispiel vorangehen. Ich habe eine lebenslange Strafe.“
Ob er mit seinem Team jungen Straftätern eine zweite Chance gibt, Geflüchteten ein Zuhause bietet oder andere zum Geben ermutigt – Tobias hat sein Leben um ein radikales Verständnis von Großzügigkeit gebaut. „Ich glaube, es gehört uns sowieso nicht“, sagt er. „Also können wir es auch frei geben, frei teilen und vermehren.“ Diese Haltung macht ihn zum Ermöglicher. Auch für alle, die sich von seiner Geschichte anstecken lassen.
Sie hätten im Familienunternehmen arbeiten können, haben sich aber für einen anderen Weg entschieden. Wie kam es dazu?
Das Seehaus gilt als revolutionäres Modell im Jugendstrafvollzug. Was macht es so besonders?
Sie leben selbst in einem Zwei-Zimmer-Apartment über einer Schreinerei im Seehaus. Warum?
2021 haben Sie Sinngeber gegründet. Was war die Motivation dahinter?
Was bedeutet Großzügigkeit für Sie persönlich?
Was möchten Sie anderen Unternehmern mit auf den Weg geben?
Die Arche ist eines der größten Kinder- und Jugendwerke Deutschlands. Gegründet 1995 in Berlin-Hellersdorf, erreicht die Organisation heute an über 30 Standorten in Deutschland und der Schweiz mehr als 6.000 Kinder und Jugendliche täglich.
Die Arche bietet kostenlose warme Mahlzeiten, Hausaufgabenhilfe, Freizeitangebote und eine verlässliche Anlaufstelle für Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Hier finden sie nicht nur Unterstützung im Alltag, sondern vor allem das, was vielen fehlt: Zuwendung, Verlässlichkeit und echte Beziehungen. Ob beim gemeinsamen Mittagessen, bei Sport- und Kreativangeboten oder in Einzelgesprächen: die Mitarbeitenden der Arche schenken den Kindern Zeit und Aufmerksamkeit.
Die Arche arbeitet präventiv und ganzheitlich: Neben der direkten Arbeit mit Kindern werden auch Eltern beraten und in schwierigen Lebenslagen unterstützt. Ferienfreizeiten ermöglichen vielen Kindern erstmals Urlaub außerhalb ihrer Stadtteile.
Alle Spendeneingänge bis zu 100.000 € werden verdoppelt. Die Aktion läuft bis zum 31. Dezember 2025.
Wir bieten verschiedene Möglichkeiten, um Ihre Spenden in Wirkung zu bringen.